„ Du X!“ – Wie geht eigentlich Konfliktprävention?

Am 02.September 2017 fand auch in diesem Jahr ein Kindertechniklehrgang in Braunshardt statt.
Das Thema „KONFLIKT UND GEWALT – NICHT MIT MIR!“, wurde von Sebastian Stumm (3. Dan JJ, Trainer C, Dipl.-Psych.) referiert.

Was tun, wenn mich einer auf dem Schulhof anpöbelt? Wie kann ich mich verhalten, um die Situation zu entspannen? Und was kann ich tun, wenn reden nicht mehr hilft? An das komplexe Thema der Konfliktprävention führte Sebastian die jungen Ju-Jutsuka spielerisch heran, diesmal mit einem etwas anderen Ju-Jutsu, ohne Matten und ohne Gi.



Nach einer kurzen Einführungsgeschichte, in der ein Streit zwischen zwei Schulkindern geschildert wird, gab Sebastian den Kindern ein Situation vor, in der sie sich partnerweise gegenüber stehen und einer den anderen mit dem Satz „Du X!“ angehen durfte. Für X konnte sich jeder selbst denken, was es bedeuten könnte. Das führte zu vielen Lachern bei den Kindern und sorgte gleichzeitig auch dafür, dass die Stimmung locker blieb, trotz des eigentlich ernsten Themas.

Jetzt war natürlich das schauspielerische Talent des jeweiligen Partners gefragt. Zunächst sollte man auf die Provokation nur mimisch oder mithilfe von Gesten reagieren und sich z.B. kritisch, feindselig, missbilligend, betrübt, zweifelnd, unwissend, desinteressiert, erstaunt oder nachdenklich geben. Hört sich ganz leicht an, es ist aber wahnsinnig schwer in der Rolle zu bleiben ohne lachen zu müssen. Unsere jungen Ju-Jutsu-Darsteller meisterten die Aufgabe, allen Schwierigkeiten zum Trotz.

In der nächsten Stufe der Aufgabe sollte der Verteidiger auf den angreifenden Satz mit einer erstaunten und nachdenklichen Mimik und Gestik, schließlich enttäuscht und  deeskalierend antworten, z.B.: „Schade, dass du mich X nennst statt [eigener Name]“ und „ Schade, dass du findest, dass ich … bin, mir ist es wichtig, dass du mich … findest. Wie bekommen wir das wieder hin?“
Hierbei war es immer wichtig, auf das eigene Befinden einzugehen, ohne den anderen verbal anzugreifen und zudem die Suche nach einer gemeinsamen Lösung anzubieten.

Dann wurde es auch Zeit für eine kurze Pause. Der Ausrichter TSV Braunshardt stellte Essen und Getränke zur Verfügung, so dass sich die gut 20 Kids und der Referent ordentlich stärken konnten.

Jetzt zum zweiten Teil des Lehrgangs: Sebastian rief alle zusammen und gemeinsam überlegte man nun, wie man die vorher geübte Situation, den sich anbahnenden ‚fiktiven‘ Konflikt, verschlimmern könnte. Man fand eine ganze Menge Möglichkeiten, den Konflikt zu verschlimmern – nun blieb die Frage offen: Was tun, wenn mein Gegenüber kein Interesse daran hat, den Streit beiseite zu legen, sondern ihn zu verschlimmern und meine Bemühungen, die Situation zu beruhigen, auch nicht helfen?



Diesmal war also neben den bereits geübten Deeskalation-Methoden auch technisches Ju-Jutsu-Wissen gefragt. Sebastian zeigte ein Version des Dreier-Kontakts, mit dessen Hilfe die Ju-Jutsu-Kids schnell auf verschiedenste Angriffe (bspw.: Schlag von außen zum Kopf und zur Körpermitte oder Fauststoß zum Gesicht) reagieren konnten, um so den Gegner ohne viel Aufwand abzuwehren und gleichzeitig den Weg für einen sicheren und schnellen Rückzug frei zu machen. Auch hier fügte man in der nächsten Übungsstufe einen Antwortsatz hinzu („Das lasse ich mir von Dir nicht gefallen, ich gehe jetzt“), hierbei war besonders wichtig, eine ruhige und abwehrende Haltung anzunehmen.
Das klappte nicht bei jedem auf Anhieb, vor allem war es schwierig, als man es mit unterschiedlichen Partnern versuchte, aber mit fleißigem Üben konnte jedes der Kinder die Aufgabe erfolgreich meistern.

So wurde also ‚Ju-Jutsu-Theater‘, wie es die Kinder nannten, mit Ju-Jutsu-Technik verbunden um an die unterschiedlichsten Phasen eines Konflikts heranzugehen.
Am Ende wurde die am Anfang erzählte Geschichte aufgelöst, natürlich mit einem Happy End ;)
Nachdem die Ju-Jutsu-Kids verabschiedet waren, hatte Sebastian für die anwesenden Eltern und Trainer noch ein paar Beispielbücher zum Thema Konflikt-Lösung mitgebracht, für Anregungen im Training oder das generelle Umgehen mit der Thematik (Bspw.:  „Mut ist keine Zauberei! Stark werden mit gewaltfreier Kommunikation“ von Ina Rodenwald).

Text: Patricia Schäffer
Bild: TSV Braunshardt

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